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Otto erntet Früchte der Digitalisierung – und profitiert von Corona › absatzwirtschaft

Otto erntet Früchte der Digitalisierung – und profitiert von Corona › absatzwirtschaft

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Otto erntet Früchte der Digitalisierung – und profitiert von Corona › absatzwirtschaft

Der Hamburger Otto-Konzern erfindet sich seit Jahren neu: Der einstige Versender aus der Katalog-Ära hat sich zu einem weltweit tätigen Technologiekonzern entwickelt, der frühzeitig die Chancen der Digitalisierung entdeckt hat.

Von Henning Eberhardt
Der Hamburger Otto-Konzern erntet in der Corona-Krise die Früchte seiner seit Jahren vorangetriebenen Digitalisierung. Die Otto Group habe die Pandemie bislang in einer “hervorragenden Verfassung” überstanden, “weil wir seit vielen Jahren konsequent in das Digitalisierungsthema investieren, in die Transformation von Geschäftsmodellen”, sagte Vorstandschef Alexander Birken am Mittwoch in Hamburg.

“Wir profitieren auch sehr stark davon, dass wir divers aufgestellt sind und unterschiedlichste Warengruppen haben, beispielsweise auch Möbel, Wohnaccessoires, Weiße Ware, Elektronik bis hin zu Spielwaren, das war definitiv in der Pandemiezeit eine große Stärke”, so Birken weiter.

Otto als Nummer eins im Online-Handel

Beim Online-Handel mit Wohnungseinrichtung sieht sich Otto inzwischen sogar als Nummer eins in Deutschland: “Tatsächlich ist es so, dass wir die stärksten Zuwächse im gesamten Bereich rund um das Thema Wohnen, Wohnaccessoires hatten und genauso Weiße Ware”, das sind im Branchenjargon Elektro-Haushaltsgeräte. Dabei profitiert der Versandhandels- und Dienstleistungskonzern davon, dass er mit Hermes einen eigenen Transport- und Logistikspezialisten im Konzern hat, der für die Kunden neben der Lieferung auch den Aufbau erledigt.

Otto will “Geschwindigkeit zum Kunden” erhöhen

Für Hermes hatte sich Otto im vergangenen Sommer die
internationale Investmentgesellschaft Advent als Partner ins Boot geholt.
Advent übernahm 25 Prozent der Geschäftsanteile an Hermes Deutschland und 75
Prozent an Hermes in Großbritannien. Otto verspricht sich davon mehr Spielraum
für Investitionen. Die sind aus Sicht Birkens nötig, weil das Liefertempo oft
noch nicht stimmt.

“Wir müssen es schaffen, die Geschwindigkeit zum Kunden deutlich zu erhöhen”, sagte der Otto-Chef. “Wenn Sie heute eine Waschmaschine bestellen, können Sie die im Zweifel in zwei Tagen nach Hause bekommen”. Aber in der Paketlogistik “sind wir heute nicht schnell genug und deswegen werden wir dort in Summe einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag in den nächsten Jahren investieren.” Die Hermes-Gruppe hat im vergangenen Jahr erstmals über eine Milliarde Pakete transportiert und ihren Umsatz mit Kunden außerhalb der Otto Group um gut ein Drittel auf 2,5 Milliarden Euro gesteigert.

Otto-Umsatz steigt auf 15,6 Milliarden Euro

Die Otto Group profitierte im abgelaufenen Geschäftsjahr 2020/21 (bis 28. Februar) massiv vom Boom des Online-Handels in der Corona-Pandemie und konnte aus eigener Sicht dabei Marktanteile gewinnen.

Der Umsatz kletterte auf vergleichbarer Basis um 17,2 Prozent auf rund 15,6 Milliarden Euro. Die reinen E-Commerce-Umsätze legten weltweit sogar um 25,6 Prozent auf rund 9,9 Milliarden Euro zu. Der Jahresüberschuss sprang – allerdings stark begünstigt durch Anteilsverkäufe – auf 971 (Vorjahr: 214) Millionen Euro. Den Ergebnisbeitrag der Veräußerungen bezifferte Otto-Finanzchefin Petra Scharner-Wolff mit rund 600 Millionen Euro.

Otto-Marktplatz zahlt sich aus

Ausgezahlt hat sich für Otto die Öffnung der Plattform Otto.de für inzwischen rund 1300 externe Anbieter wie Händler und Markenanbieter, die laut Birken mittlerweile für zehn Prozent des Umsatzes bei der Marke Otto stehen. Neben Otto.de konzentriert sich die Otto Group seit Jahren auf ertragsstarke Konzernmarken:

Die in Chicago (USA) ansässige Einrichtungs- und
Lifestylegruppe Crate and Barrel konnte ihren von massiven Schließungen
beeinträchtigten Stationärhandel durch ein erhebliches Plus im E-Commerce überkompensieren.
Mit einem Plus von 11,9 Prozent, währungskursbereinigt sogar um 16,7 Prozent,
stieg der Umsatz auf 1,79 Milliarden Euro an.

Trotz der merklichen Kaufzurückhaltung im
Bereich aktueller Mode insbesondere zu Beginn der Corona-Pandemie konnte der in
30 Ländern operierende Fashionanbieter Bonprix sich gut behaupten und um
1,4 Prozent auf 1,76 Milliarden Euro Umsatz wachsen.

Die auf die Zielgruppe Familie fokussierte Mytoys-Gruppe
konnte den Umsatz auf 894 Millionen Euro erhöhen, ein Plus von 24,1 Prozent zum
Vorjahreszeitraum. Die zu Mytoys gehörende Shopping Community Limango
wuchs überproportional um 31,7 Prozent auf 358 Millionen Euro.

Die international agierende Witt-Gruppe konnte
im abgelaufenen Geschäftsjahr erstmalig die Umsatzmilliarde knacken. Trotz der
pandemiebedingten Kaufzurückhaltung im Fashionbereich konnte der auf über
50-Jährige spezialisierte Omnichannel-Händler seine Erlöse um rund 1,5 Prozent
auf 1,09 Milliarden Euro steigern.

About You wächst beim Umsatz um 57 Prozent

Ein wichtiger Baustein ist zudem der – nicht in den Konzernzahlen enthaltene – Mode-Onlinehändler About You, der seinen Umsatz gegen den Branchentrend um 57 Prozent auf nunmehr 1,2 Milliarden Euro steigern konnte.

Otto Group will “langfristig nachhaltig handeln“

Ausbaubedarf hat die Otto Group noch beim Thema
Nachhaltigkeit. Seit dem Geschäftsjahr 2021/22 gibt dafür eine neue Strategie
den Handlungsrahmen für die Konzerngesellschaften in diversen Themenfeldern
vor. Eine Auswahl:

Die Otto Group will bis 2030 klimaneutral werden.Zudem sollen die verwendeten Fasern wie Baumwolle oder Polyester bei Eigen- und Lizenzmarken bis 2025 zu 65 Prozent aus nachhaltigeren Quellen (sogenanntes “Preferred-Fiber-Portfolio”) stammen.Das Ziel, ausschließlich nachhaltige Verpackungen zu verwenden, soll in den kommenden zwei Jahren umgesetzt werden.Bereits 2022 wird die Otto Group bei allen Konzerngesellschaften zudem die Kennzeichnung nachhaltiger Produkte einführen.

Der Geschäftsbericht der Otto Group steht Ihnen hier zum Download zur Verfügung.

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